LUCKY TRIMMER – Festivalstimmung und Eintauchen in künstlerische Tiefen

April 15, 2010 von Berliner Kulturredaktion  
Filed under Kritiken

von Christoph Mathiak, 1.3.2010

Am Abend zuvor hatte bereits die offizielle Abschiedsparty vom Prater stattgefunden. Die Bühne, von der Volksbühne bespielt, wird für eine umfassende Renovierung geschlossen.
LUCKY TRIMMER erweckte noch einmal den durch maroden Charme bestechenden Theaterraum. Die Tanzreihe, die damit zum 14. Mal stattfand, ist zu einer festen Größe im Terminplan des zeitgenössischen Tanzes geworden. So wunderte man sich nicht über das ausverkaufte Haus.
LUCKY TRIMMER, bisher im Tacheles zu Hause, präsentiert zweimal jährlich rund 8 Chorographien nationaler und internationaler Choreographen. Die Aufführungsdauer der Stücke ist auf 10 Minuten begrenzt – eine nicht ganz leichte Vorgabe, die viele Stücke von der Teilnahme ausschließt. Sie eröffnet dem Zuschauer die Möglichkeit, an einem Abend unterschiedlichste Entwicklungen im zeitgenössischen Tanz zu sehen. Den Stücken hat ihre Kürze ebenfalls nicht geschadet. Sie bestachen fast durchgehend durch ungewohnte Komplexität und Eindringlichkeit. Das dichte, zeitliche Nebeneinander der Choreographien ließ auch für ungeübte Zuschauer die Unterschiedlichkeit der Bewegungssprachen überdeutlich werden und damit den Facettenreichtum des zeitgenössischen Tanzes.
Getrennt wurden die Arbeiten durch die choreographische und in ihrer Absurdität durchaus komische Reihe „How I Killed Myself“ von Nathan Freyermuth und Séverin Lefévre aus Lyon, Frankreich. Nicht zuletzt dieses verbindende Element sorgte für Festivalcharakter, der sich in zum Teil überschwenglicher und gelöster Begeisterung des Publikums ausdrückte.
Auch das eine Besonderheit von LUCKY TRIMMER und in der sonst oft asketisch wirkenden Tanzszene erfrischend anders.

LUCKY TRIMMER gelang die Gratwanderung zwischen Festivalstimmung und intensivem Eintauchen in die künstlerischen Tiefen des Genres so bravourös, dass man sich über die konsequente Selbstzentrierung der anderen Tanzfestivals in Berlin nur wundern kann. Am Publikum scheitert die Öffnung gewiss nicht – das hat dieser Abend bewiesen.
Es waren gerade die tiefgründigsten Stücke, die vom Publikum besonders honoriert wurden. Abschluss und einen der Höhepunkte des Abends lieferte das mit begeistertem Applaus bedachte Werk „Bernadette“ von Caroline Finn aus Großbritannien. Den Einstieg bildete eine in ihrer Spießigkeit absurde und doch nicht irreal wirkende Radio-Kochshow für die Mittelstandshausfrau. Der darauf folgende Versuch, den perfekten Apfelkuchen zu backen gerät zum Fiasko. Immer wieder durchbricht Caroline Finn, die das Solo selbst tanzt, ihr aufgesetztes Hausfrauendasein durch zwanghafte Bewegungen, durch Ur-Rhythmen, die schließlich im Chaos enden. Es sind die Komplexität der Choreographie, die Exaktheit und das intelligente Timing, die „Bernadette“ zu einem choreographischen Juwel machen.
Caroline Finn gelingt es vom ersten Moment an, im Zuschauer eine Fülle von Emotionen, Assoziationen und Deutungen zu erzeugen. Dabei führt sie so geschickt, dass zu keinem Zeitpunkt eine Beliebigkeit der Interpretationsmöglichkeiten gegeben ist, ebenso wenig wie eine eindimensionale Verengung. Der Zuschauer erwacht und läuft keinen Moment Gefahr in Willkür zu ertrinken und konsequenterweise abzuschalten. Die tänzerischen Fähigkeiten von Caroline Finn, die unter anderem mit dem Ballett Preljocaj und dem Balletttheater München arbeitete, ermöglichen es ihr, das Publikum direkt zu greifen und danach nicht mehr loszulassen.

Die Möglichkeit, solche Ausnahmechoreographien zu sehen und die bewusste Hinwendung zum Zuschauer sind es, die LUCKY TRIMMER zu einem echten Glücksfall für das Berliner Publikum machen. Und für die zeitgenössische Tanzszene in Berlin.
Denn dieser Abend hat Lust gemacht. Lust auf mehr zeitgenössischen Tanz.

LUCKY TRIMMER am 27.02.2010

February 15, 2010 von Berliner Kulturredaktion  
Filed under Festivals, Tanz

LUCKY TRIMMER 2010 | Volksbühne im Prater

Wer einen Einstieg in die zeitgenössische Tanzszene sucht, der ist bei LUCKY TRIMMER genau richtig. Hier gibt´s an einem Abend einen Überblick über unterschiedliche Entwicklungen und Stile dieses spannenden Genres, den man sich sonst über Monate erarbeiten müsste. Dabei präsentiert sich das Programm bei aller Ernsthaftigkeit mit Leichtigkeit und Event-Fieber.

Die Tanz Performance Serie LUCKY TRIMMER gibt es seit 2004. Dieses Jahr ist sie erstmals zu Gast in der Volksbühne im Prater!

Aus ca. 200 Bewerbungen wurden 11 Choreografen aus dem In- und Ausland eingeladen, ihre aktuellen Arbeiten zu zeigen.
Einzige Spielregel: Die Stücke dürfen nicht länger als 10 Minuten dauern.
Die Bandbreite des Programms reicht von auffallend detaillierten Bewegungsstudien über physisch extrem anspruchsvolle Choreografien bis hin zur virtuos-elastischen Performance mit Breakdance-Anleihen. Daneben werden überdrehtes Tanztheater, sketchartige Einlagen mit deutlichen Bezügen zum Absurden Theater sowie eine Collage aus schmunzelnd-liebevollem Pina-Bausch-Zitat und elektro-akustischem Live-Act gezeigt. Die 8 Stücke werden in atemberaubender Frequenz sukzessive auf die Prater-Bühne gebracht und kreieren im Laufe des Abends ein performatives Gesamterlebnis. Unvorhersehbar, verstörend, großzügig und international.
MIT CHOREOGRAFIEN VON
Meytal Blanaru (ISR)
Olga Clavel & Miryam Mariblanca (E)
Caroline Finn (UK)
Séverine Lefèvre & Nathan Freyermuth (F)
The Mob & Frank Julie (DK)
Tomi Paasonen (FIN)
Rauf Yasit alias rubberlegz (D) und
Yaron Shamir (ISR).

NUR 2 TERMINE: 27. Februar 2010, 19 und 21 Uhr
ORT: Volksbühne im Prater | Kastanienallee 7-9, 10435 Berlin
TICKETS: 12 / 8 Euro | ticket@volksbuehne-berlin.de oder unter 030 240 65 777 (12-18h)

+++ AFTER SHOW PARTY mit Patrick Blasa ab 22:30 h +++


Größere Kartenansicht

Foyer-Konzerte im Prater: Matteah Baim + Jasmina Maschina - 06.11.2009

October 15, 2009 von Berliner Kulturredaktion  
Filed under Konzerte

Zwischen Geheimtipp und Extase: Foyer-Konzerte im Prater

Matteah Baim

Matteah Baim (US, DiCristina Stair Builders)
Zum ersten Mal bringt die US-Künstlerin Matteah Baim im November ihre dunkel-melancholischen Folk-Songs nach Deutschland!
Matteah Baim ist vor allem bekannt durch ihre Kollaborationen und Touren mit Antony Hegarty (Antony and The Johnsons), Rob Lowe (ex- 90 Day Men, Lichens), Devendra Banhart, Jana Hunter oder auch Sierra Casady (CocoRosie).
Mit Letzterer begann sie 2005 das Projekt Metallic Falcons. Baim’s aktuelles Album “Laughing Boy” erschien im März 2009 auf DiCristina Stairbuilders (Carla Bozulich, Vashti Bunyan, Vetiver).
Auf Tour wird sie begleitet von Rose Lazar (Gyromancy).

Offizielle Website: www.matteahbaim.com
Myspace: www.myspace.com/matteahbaim

Jasmina Maschina (D/AUS)
Jasmina Maschinas Folk-Soundscapes verbinden Sinnlichkeit mit Stoizismus, Zaudern mit Berauschung, die Eintagsfliege mit dem Erhabenen.
Sie transportiert ihre Hörer in die Welt eines wohlbekannten Songs, den man nur zu gerne wiederhört. Ihre Musik strahlt von Erfahrungen und Gefühlen, die niemandem fremd sind. Gleichzeitig imaginiert sie die Gesamtheit der Trivialitäten menschlichen Daseins als besonders und wesentlich.
Mit einem Wort: Die wunderbare Schönheit des Alltäglichen.
Myspace: www.myspace.com/jasminemaschine

Prater der Volksbühne,
Foyer Kastanienallee 7-9 10435 Berlin
weitere Infos
Einlass 22:00 Uhr

MODERN SOLO PIANO - Festival im Prater

Beim Modern Solo Piano Festival im Prater geben Pianisten und Komponisten aus Berlin einen Einblick in die Klang- und Interpretationsvielfalt der modernen Klaviermusik.
Festivalprogramm:
18.8.09 Madalina Pasol, Aki Takase
19.8.09 Tomas Bächli, Ulrich Gumpert
20.8.09 Ming, Christoph Binder
21.8.09 Herrmann Keller, Gregor Heinze
22.8.09 Gregor Heinze, Christoph Binder

Modern Solo Piano Festival im Prater
18. August - 22. August 2009
jeweils 21:00 Uhr

Volksbühne im Prater
Kastanienallee 79
10435 Berlin

weitere Infos

Masha Qrella spielt Kurt Weill

May 28, 2009 von Berliner Kulturredaktion  
Filed under Konzerte

Masha Qrella setz sich mit den Texten von Frederick Loewe und Kurt Weill auseinander und stellt mit Band ihr Album - Speak Low - vor.

Masha Qrella plays Kurt Weill
Record Release
31.05.2009
20:00 Uhr
Volksbühne im Prater

Kastanienallee 7-9
10435 Berlin

weitere Infos