Führungen für Kinder im Jüdischen Museum Berlin

Halacha und Hefezopf - Was kommt in den Schabbattopf?

Kinderführung durch die Dauerausstellung.
Wie lebte eine jüdische Händlerin vor 300 Jahren?
Was musste sie in den Koffer packen, wenn sie auf Reisen ging?
Ein Gebetbuch, Reisekleidung oder gar ein Handy?
Jüdische Traditionen im Wandel der Jahrhunderte werden für ganz junge Museumsbesucher anschaulich und spielerisch präsentiert.
Die Kinder erfahren, wie sich eine Kippa auf dem Kopf anfühlt, sehen eine echte Schriftrolle und können ihre Nasen in die Gewürze der Bessamim-Büchse stecken.

Wann: Sonntag, 7. März und 4. April 2010 jeweils um 11 Uhr
Dauer: ca. 1 Stunde

Das verrückte Haus. - Daniel Libeskind für Kinder

Warum sind die Wände im Jüdischen Museum Berlin schräg?
Warum endet eine Treppe im Nichts?
Warum blühen im Garten keine Blumen?
Die jungen Besucher werden entsprechend ihres Alters spielerisch an die Architektur von Daniel Libeskind herangeführt.
Danach gibt es Gelegenheit, aus Pappe, Knete und anderen Bastelmaterialien das eigene verrückte Traumhaus zu gestalten.

Wann: Sonntag, 21. März und 18. April 2010 jeweils um 11 Uhr
Dauer: ca. 2 Stunden

Für alle öffentlichen Kinderführungen gilt:
Preis: 3 Euro inkl. Eintritt und Bastelmaterial

Treffpunkt:
“Meeting Point” im Foyer, Altbau EG
Anmeldung und Rückfragen zu Führungen unter Tel. 030 - 25993 305 oder fuehrungen@jmberlin.de

Jüdisches Museum Berlin
Lindenstr. 9-14
10969 Berlin

Das Amalfi-Skizzenbuch von Carl Blechen - Ausstellung in der Alten Nationalgalerie bis 11.04.2010

Mit Licht gezeichnet - Das Amalfi-Skizzenbuch von Carl Blechen

Vier Jahre vor Carl Blechen reiste dessen Freund und Förderer Karl Friedrich Schinkel nach Italien. Am 12. September 1824 notierte er in seinem Reisetagebuch die Eindrücke von Amalfi und dem sich dahinter erstreckenden Mühltal: „Von der Kirche gingen wir auf den Platz herunter und verfolgten die Hauptstraße, welche gegen die Schlucht hinaufführt.
Diese nimmt bald den sonderbarsten Charakter an; sie schließt sich, man geht durch Bögen und Gewölbe, über denen Wege von einer Seite des Tales zur gegenüberliegenden führen; dann steigt man durch Treppen weiter. An
den Seiten treten oft Felsen heraus, darinnen sieht man mehrere grünbewachsene Höhlen, in welchen große Waschtröge ausgehauen sind, und klares Gebirgswasser stürzt dahinein, an welchem die Weiber der Stadt immer zahlreich waschen.
Mühlenwerke und dazugehörige Wasserleitungen, alles wie in der Schweiz mit dem üppigsten Kraut bewachsen, hängen unter dem Felsen, der sich höhlenartig wölbt, oder drängen sich in die Winkel hinein. Der Weg steigt stufenartig neben mit Mauern eingefaßten Flußbetten an, in denen Wasserfälle schön rauschen. Die Flußbetten sind oft mit breit gezogenen Weinlauben bedeckt und allerlei schöne Sitze und Gärtchen daneben angebracht. So geht es fort, so daß man nicht zu sich kommt vor der Menge malerischer Punkte. Am letzten Winkel scheint das Tal mit einem
großen, viele Stockwerke hohen Fabrikgebäude geschlossen zu sein, worin Papier gemacht wird, aber es wendet sich und führt zu sehr malerischen Eisenhämmern, die wir wegen Kürze der Zeit nicht mehr erreichen konnten.“

Nach der Rückkehr aus Italien wird Schinkel vermutlich dem 17 Jahre jüngeren Blechen seine Reiseeindrücke geschildert haben.
Blechen, der seit 1822 an der Berliner Akademie studierte, konnte sich eine solche Reise zunächst nicht leisten. Er nahm 1824 eine Stelle als Dekorationsmaler am Königstädtischen Theater an, die ihm durch Fürsprache Schinkels angeboten worden war.
Bis 1827 blieb Blechen am Theater tätig. In dieser Zeit entstanden vor allem romantische Kompositionen, oft geheimnisvoll düster und ausgeprägt bühnenmäßig inszeniert. Erst nach dem Verkauf seines großformatigen Historienbildes „Das Semnonenlager“, das Blechen 1828 auf der Berliner Akademieausstellung präsentierte, konnte er die ersehnte Italienreise finanzieren. „Alle, die sich je mit der künstlerischen Entwicklung Blechens befassten“ schrieb der Blechenforscher Paul Ortwin Rave, „haben die italienische Reise nicht nur als Mitte und Höhe seines Lebens bezeichnet, sondern vielmehr noch als eine Grenzscheide seines malerischen Vermögensschlechthin. […]
Man brauchte bloß die köstlichen farbigen Studien im Besitz der Nationalgalerie und der preußischen Akademie der Künste in Berlin zu mustern, um der Erregung und Ergriffenheit des Künstlers vor den Wundern strömender Lichtfluten des Südens innezuwerden.“
Im September 1828 war Blechen nach Rom aufgebrochen. Im Frühjahr reiste er weiter nach Neapel und kam anschließend auch nach Amalfi, wo er sich acht Tage aufhielt und gemeinsam mit dem Berliner Maler Leopold
Schlösser das Mühltal sowie die umliegende Bergregion erkundete. In seinem rückblickend verfassten Reisebericht schrieb Blechen:
„Den anderen Morgen besahen wir uns die Umgebung und zeichneten etwas, aßen zu Mittag, gingen noch etwas aus und reisten zu Esel nach Amalfi, wo wir um 9 Uhr abends ankamen. Dort hielten wir uns acht Tage auf, zeichneten
mehreres im Tale und machten eine Fußreise auf den Bergen nach Ravello, wo wir auch etwas zeichneten, dann gingen wir wieder zurück nach Amalfi.“
Seiner Vorliebe für einsame, abseits gelegene Strecken folgend, wanderte der Künstler von Amalfi aus nach Pontone, Minuta und Scala in das hochgelegene Bergdorf Ravello und kehrte über Minori, San Cosma, Castiglione und Atrani an der Küste entlang zurück. Wie Schinkel haben auch Blechen in Amalfi weniger die Kulturbauten als vielmehr die
ingenieurtechnisch interessanten, zugleich als „malerisch“ empfundenen wasserbetriebenen Industriebauten der Papiermühlen und Eisenhämmer imMühltal beeindruckt.
In seinem Skizzenbuch hielt er das Gesehene fest.
Verwinkelte Gassen, Treppen, die Architektur einfacher Häuser hinter Bäumen, Brückenhäuser, Fabriken, Felsen und Wasser sowie die durch intensive Sonneneinstrahlung erzeugten Licht- und Schattenphänomene sind Blechens bevorzugte Motive.
In seinen Darstellungen verzichtete er weitgehend auf Figuren, meist ist die Staffage nur umrisshaft angedeutet.
Wenngleich mit Bleistift zunächst unterzeichnet, erscheinen die mit Lichtund Farbflächen gestalteten Sepien wie rasche, präzise Momentaufnahmen.
Einige seiner Skizzen arbeitete Blechen später in Öl aus. Nach dem Blatt „Bergschlucht“ etwa entstand 1831 das großformatige, heute in der Nationalgalerie bewahrte Hauptwerk „Schlucht bei Amalfi“.
Das Amalfi-Sizzenbuch besteht aus 66 losen Bleistift-, Feder-, Aquarell- und Sepiazeichnungen. Neben den berühmten Blättern aus der Region um Amalfi enthält das Skizzenbuch Bleistiftzeichnungen der neapolitanischen
Küste, hier vor allem des Posilipp, sowie zwei Aquarelle aus Pompeji und Zeichnungen des Weges von Sorrent nach Amalfi. In den vor der Wanderung nach Amalfi entstandenen Zeichnungen skizzierte Blechen mit Bleistift die an der Küste bei Neapel gesehenen Architekturen, Grotten, Ruinen, Felsen und immer wieder den Blick auf das Meer, häufig mit dem Vesuv im Hintergrund.

Es ist das Verdienst Paul Ortwin Raves, als einer der Ersten die Bedeutung von Blechens Skizzenbuch erkannt zu haben. Auf Ihn geht der Name „Amalfi-Skizzenbuch“ zurück. Rave - seit 1922 Mitarbeiter, später kommissarischer Leiter und amtierender Direktor der Nationalgalerie – plante seit Ende der 1930er Jahre, das Lebenswerk des Malers Blechen in einer Ausstellung der Nationalgalerie zu zeigen und damit die Wiederkehr
seines hundertsten Todestages am 23. Juli 1940 zu ehren. Rave erstrebte zudem, zur Eröffnung der Blechenausstellung einen Oeuvre- Katalog vorzulegen. Mit Kriegsbeginn zerschlug sich das Ausstellungsvorhaben.
Das umfassende Blechen-Werkverzeichnis mit 2232 Katalogeinträgen und zahlreichen Abbildungen zu Gemälden und Arbeiten auf Papier aber konnte er realisieren.
Während der Arbeit am Werkverzeichnis stieß Rave auf Blechens italienische Skizzenbücher, für ihn „ein bisher kaum
oder gar nicht beachteter, in seiner Vielfalt und Merkwürdigkeit ungeahnterund ungehobener Schatz.“
Rave bewunderte vor allem „die Folge herrlicher Sepiazeichnungen, die man das Amalfi-Skizzenbuch nennen könnte, Blätter von ganz stattlichem Format, die der Künstler bei einer Wanderung durch
Valle de Molini, das bekannte, mit zahlreichen Papiermühlen besetzte Bachtal hinter Amalfi, und zum Teil zu dem benachbarten Ravello, gefüllt hat.“
Die Zeichnungen schienen Rave „Stück für Stück so klar im Ausschnitt und Aufbau und so ausgewogen in der Verteilung von Hell und Dunkel, kurzum so vollkommen gelungen, wie sie auch ein begnadetes Auge und eine sichere Hand nur in den glücklichsten Stunden zu schaffen vermögen“.

Blechens Amalfi-Skizzenbuch gilt heute als eines der herausragenden künstlerischen Ergebnisse seiner Italienreise und zählt zu den bedeutendsten Leistungen der Zeichenkunst des 19. Jahrhunderts.
Die kunsthistorische Einordnung Blechens als Vorläufer einer realistischen und impressionistischen Landschaftskunst gründet sich wesentlich auf die lichterfüllten, bisweilen nahezu abstrakt anmutenden Sepiazeichnungen
dieses Skizzenbuches. Gemeinsam mit anderen Werken war es aus Blechens Nachlaß in den Besitz der Berliner Akademie der Künste gelangt.

Durch die Teilung Deutschlands blieben die Blätter des Skizzenbuches lange Zeit getrennt. Mit der Zusammenführung der Akademien in Ost und West wurden auch sie im Jahr 1993 wieder vereint und gehören seither zu den bedeutendsten Arbeiten auf Papier in der Kunstsammlung der Akademie.
Zwei Zeichnungen werden im Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin bewahrt und konnten für die Ausstellung geliehen werden.
Das Amalfi-Skizzenbuch wird nun erstmals – gemeinschaftlich von der Nationalgalerie und der Akademie der Künste – vollständig ausgestellt.
In der Alten Nationalgalerie im dritten Ausstellungsgeschoß dieses großartige Werk Carl Blechens, in der Nachbarschaft zu den dort dauerhaft gezeigten Gemälden des Künstlers sowie zu Werken Caspar David Friedrichs, Karl Friedrich Schinkels und anderer Meister der Romantik präsentiert.
Nach der Berliner Station wird die Ausstellung vom 28. April bis 18. Juli 2010 in der Casa di Goethe in Rom gezeigt.

Ausstellung
Mit Licht gezeichnet - Das Amalfi-Skizzenbuch von Carl Blechen
29. Januar 2010 bis 11. April 2010
Museumsinsel Berlin
Alte Nationalgalerie

Eingang: Bodestraße 1- 3
10178 Berlin-Mitte

Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag 10:00 Uhr – 18:00 Uhr,
Donnerstag 10:00 Uhr – 22:00 Uhr,
Montag geschlossen

Ausstellung | Emil Nolde - Reiselust vom 5. Februar bis 4. Juli 2010 in Berlin

Die Nolde Stiftung Seebüll zeigt in der Dependance Berlin:
Gemälde und Aquarelle, die, wie der Titel der Ausstellung bereits aussagt, an verschiedenen Orten Spaniens, der Schweiz und Deutschlands entstanden sind.

Reiselust – Emil Nolde unterwegs in Deutschland, Spanien und der Schweiz
05.Februar - 04. Juli 2010

Öffnungszeiten
Täglich 10 - 19 Uhr

Eintrittspreise
Erwachsene 8,00 Euro
Schüler/ Studenten 3,00 Euro
Jahreskarte 30,00 Euro

Freier Eintritt an jedem 1. Montag des Monats

Adresse
Nolde Stiftung Seebüll
Dependance Berlin
Jägerstraße 55
10117 Berlin

Freier Eintritt an jedem 1. Montag des Monats

Ausstellung - Walten Ford. Bestiarium bis 24. Mai 2010 in Berlin im Hamburger Bahnhof

Bis zum 24.05.2010 zeigen die Staatlichen Museen zu Berlin in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin erstmalig in Europa Werke des amerikanischen Künstlers Walton Ford (geb. 1960).

Die Ausstellung versammelt 25 großformatige Arbeiten des Künstlers aus den letzten 10 Jahren.

Eine Affenhorde zelebriert ein großes Fressen, ein Okapi leckt an einer Honigwabe, um im nächsten Moment seinen Tod zu finden, ein Rudel Tasmanischer Wölfe türmt weiße Lämmer zu einer blutigen Pyramide, ein Panther bricht im Winter 1929 aus dem Züricher Zoo aus: Walton Fords stets lebensgroße, alle Einzelheiten abbildende Tieraquarelle erscheinen auf den ersten Blick hin unzeitgeistig zu sein und hinterfragen daher sogleich die eingefahrenen Erwartungshaltungen gegenüber dem Regelwerk zeitgenössischer Ästhetik.
In ihrem altmeisterlichen Stil erinnern und zitieren Walton Fords farbenprächtige Bilder die Natur- und Tierdarstellungen berühmter Künstler des 19. Jahrhunderts. Sie erscheinen als Widerhall vergangener kolonialer Zeiten und verknüpfen das vermeintlich Überwundene mit aktuellen Szenen.
In seinen narrativen Arbeiten erweist sich Ford als ein Künstler, der das Tradierte variiert, um ein bildnerisches Universum unendlich komplexer und verstörender Anspielungen zu entwerfen.
Seine Tierdarstellungen zeugen von großem kunst- und naturwissenschaftlichem Wissen auf der Suche nach Analogien zwischen Gestern und Heute und entwerfen ein zeitgenössisches „Bestiarium“ von eindringlicher
Imaginationskraft. Die Bilder Walton Fords, in Amerika längst bewundert, werden anlässlich seiner Ausstellung in Berlin erstmalig in Europa gezeigt und vermögen auf ihre ganz eigene Art das seit der Renaissance vorherrschende Diktum des „Immer Neuen“, des „Immer Besser und Weiter“ kritisch zu hinterfragen. Darin zeigt sich der Künstler als ein Outsider im internationalen Kunstbetrieb, der bewusst eine einzelgängerische Position einnimmt, um ein Werk zu vermessen, das im Kontext der zeitgenössischen Kunst einen Solitär darstellt.
Die Ausstellung „Walton Ford – Bestiarium“ ist eine Produktion der Nationalgalerie und ermöglicht durch den Verein der Freunde der Nationalgalerie.

Walten Ford. Bestiarium
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin
bis zum 24.05.2010

Öffnungszeiten
Mo geschlossen
Di-Fr 10-18 Uhr
Sa 11-20 Uhr
So 11-18 Uhr

Ausstellung | F.C. Gundlach. Das fotografische Werk | bis zum 14.03.2010 im Martin-Gropius-Bau

F.C. Gundlach. Das fotografische Werk - Eine Ausstellung der Stiftung F.C. Gundlach, Hamburg in Kooperation mit dem Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg.

Der Berliner Martin-Gropius-Bau präsentiert mit der Ausstellung „F.C. Gundlach. Das fotografische Werk“ die Retrospektive des fotografischen Lebenswerkes eines der bedeutendsten Modefotografen, der über vier Jahrzehnte für die wichtigsten Magazine und Publikationen in Deutschland arbeitete. F.C. Gundlach vermochte wie kein anderer Modefotograf den Zeitgeist einzufangen und ihn als Indikator für gesellschaftliche Veränderungen einzusetzen. Neben vielen bekannten Bildern zeigt die bisher umfangreichste Präsentation mit rund 350 Exponaten auch viele unbekannte Facetten des Werkes von F.C. Gundlach.

Bereits als Zehnjähriger hatte Gundlach (geboren 1926 in Heinebach/Hessen) seine Affinität zur und Passion für die Fotografie entdeckt. Eine eigene Dunkelkammer und Agfa Box folgten im Jahr 1938. Durch den Militärdienst sowie die Wirren des Zweiten Weltkriegs unterbrochen, nahm er erst ab 1947 die Beschäftigung mit dem Medium wieder auf und ließ sich bis 1949 zum Fotografen ausbilden.
Schnell entschied sich F.C. Gundlach für eine Spezialisierung auf Modefotografie und avancierte durch Arbeiten für Zeitschriften wie etwa Film und Frau oder Brigitte in kürzester Zeit zu einem der renommiertesten „Fashion Photographer“. Dabei war es nicht nur die Mode selbst, die er immer perfekt ins rechte Licht zu setzen vermochte, sondern auch die Posen und Gesten der Models in Kombination mit ausgefallenen Requisiten und mythischen Orten.
So führten ihn seine Modeproduktionen sowohl nach Paris und New York als auch nach Ägypten und Marokko. Diese Fotografien - vielfach gedruckt - sind zu Schlüsselmotiven in seinem Werk geworden; einem Werk, dessen Modebilder den Geist der jeweiligen Zeit reflektierten und visualisierten und den von morgen antizipierten. Auf diese Art und Weise hat F.C. Gundlach über 40 Jahre selbst ein Stück Modegeschichte geschrieben.
Dieter Borsche, Ruth Leuwerik, Maria Schell, Jean-Luc Godard, Nadja Tiller, Romy Schneider, Horst Buchholz und viele andere:
F.C. Gundlach fotografierte die führenden Darsteller und Regisseure des westdeutschen und des internationalen Films und war auf Filmbällen und Preisverleihungen präsent. Er fotografierte „Homestories“ und arbeitete für Verleihfirmen.
Neben den klassischen Modefotografien werden im Rahmen der großen Werkschau im Martin- Gropius-Bau auch diese Star-Porträts F.C. Gundlachs und einige seiner beeindruckenden Reise-Reportagen zu sehen sein, die ab den 1950er Jahren in Ländern wie Argentinien, Brasilien, Japan, Kambodscha und Thailand entstanden sind. Desweiteren wird F.C. Gundlachs Zeitschriftenarbeit, insbesondere für Film und Frau (1951-1966) und Brigitte (1963- 1986), erstmals in diesem Umfang dargestellt.
Seine Fotografien werden im Kontext einer reichhaltigen Auswahl von Doppelseiten und zahlreichen Titelblättern gezeigt.
Ein besonderer Fokus wird jedoch auf die Stadt Berlin selbst gelegt, denn mit der historischen Bedeutung Berlins als internationale Mode-Metropole war Berlin für F.C. Gundlach neben Paris der wichtigste Arbeitsort und diente als Motiv und Inspiration. Die Ausstellung
nimmt diesen roten Faden in ihrer Bildführung auf und führt den Betrachter an die schönsten Orte der Stadt.
Die Kuratoren Klaus Honnef, Hans-Michael Koetzle, Sebastian Lux und Ulrich Rüter erlauben als Ergebnis mehrjähriger Recherchen einen neuen Blick auf das fotografische OEuvre F.C. Gundlachs: seine Wurzeln im Bildjournalismus, das Spezifische seiner Bild-Ästhetik,
sein Denken in Serien und Sequenzen, seine narrativen Ansätze. Die Schau berührt gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse und Entwicklungen über mehrere Jahrzehnte hinweg.
In einem 40-minütigen, speziell für diese Ausstellung vom Filmemacher Reiner Holzemer produzierten Interview kommentiert
F.C. Gundlach seine Arbeitsweise selbst.
„Mode ist immer ein Ausdruck von Zeitgeist, vielleicht sogar der beste Indikator“ (Zitat F.C. Gundlach), und ganz in diesem Sinne lädt diese Retrospektive den Besucher ein, die Entwicklung der Mode, ihrer Ästhetik als auch den ganz eigenen Blick dieses großen Fotografen durch die letzten 40 Jahre hindurch Revue passieren zu lassen.

Ausstellung
F.C. Gundlach. Das fotografische Werk
Martin-Gropius-Bau Berlin
20. November 2009 bis 14. März 2010

Öffnungszeiten:
Mittwoch - Montag 10:00 Uhr – 20:00 Uhr, Dienstag geschlossen

Der Jesus-Skandal - Ein Liebermann-Bild im Kreuzfeuer der Kritik

Sonderausstellung in der Liebermann Villa

Jesus im Tempel von Max LiebermannUnerhört! Kaum ein Liebermann-Gemälde hat solch einen deutschlandweiten Skandal hervorgerufen wie „Der zwölfjährige Jesus im Tempel“ von 1879.
Das Geschrei war groß: Der Sohn Gottes ein schmutziger, „naseweiser Juden-Bengel“?

Grund hierfür war die ungewohnt naturalistische Darstellung des Jesusknaben. Man war entrüstet, wie er als jüdischer Maler es überhaupt wagen konnte, das christliche Thema zu malen. Die öffentliche, von antijüdischen Ressentiments genährte Empörung war so groß, dass sich sogar der Bayerische Landtag damit beschäftigte.
Die Ausstellung präsentiert das Skandalbild erstmals zusammen mit allen erhaltenen Vorarbeiten, Ölstudien, Skizzen und Zeichnungen. Sie gibt Aufschluss über seine Entstehung und zeigt Liebermanns Vorbilder: Werke von Adolf Menzel, Rembrandt und
anderen Künstlern. Dokumente und Texttafeln veranschaulichen die historische Kontroverse. Auf außergewöhnliche Art und Weise verbindet die Ausstellung damit Kunst-, Kultur- und Zeitgeschichte.

Zur Ausstellung Der Jesus-Skandal erscheint ein gleichnamiger Katalog mit Aufsätzen und
Abbildungen, Berlin 2009.

22. November 2009 bis 1. März 2010

Öffnungszeiten:
Winter (Oktober – März): Täglich außer dienstags 11 - 17 Uhr
An Feiertagen geöffnet; am 24. und 31. Dezember geschlossen.

Eintritt: € 6 / € 4 erm.

Koscher u. Co. Eine Ausstellung über Essen und Religion - im Jüdischen Museum Berlin - ab 9. Oktober 2009

Etwas ist »nicht ganz koscher« oder eben doch – eine geläufige Redewendung.

Aber was bedeutet der Begriff eigentlich?
Die Kaschrut, das jüdische Speisegesetz, und alles, was mit Essen im Judentum bis zum heutigen Tag zu tun hat, ist Thema dieser Ausstellung. Zugleich sucht sie den Vergleich mit anderen Weltreligionen, vor allem mit Christentum, Islam und Hinduismus.

Die Ausstellung spannt einen Bogen von den alten Kulturen des Zweistromlandes, des Pharaonenreiches und der griechisch-römischen Antike bis in die unmittelbare Gegenwart.
Mehr als 700 Originale von 74 Leihgebern aus Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Israel, Italien, Niederlande, Österreich, Schweiz, Tschechische Republik und den USA sowie Bildmaterial aus Kanada und Australien ergeben eine bunte Mischung aus Erhabenem und Trivialem, aus Ritualgegenständen und Alltagsutensilien, farbenfroh in Szene gesetzt von den Gestaltern Norbert W. Hinterberger und Carina Popp. Die Besucherinnen und Besucher stoßen auf antike Vasen und Statuetten, prachtvoll illustrierte hebräische und osmanische Handschriften, opulente Stillleben und delikate Zeichnungen – aber auch Stahl- und Plastikgerätschaften aus der modernen koscheren Küche wie den »Bug Checker«, der Käfer und Maden in Salat und Kohl aufspürt.

Von Schöpfung bis Identität: vielfältige Perspektiven in zehn Räumen

Dabei sind die Religionen nicht fein säuberlich voneinander getrennt und geordnet, vielmehr setzen die Ausstellungsmacher auf einen Überblendungseffekt: von einer Religion fällt das Licht auf die andere. Die Ausstellung entwickelt ihre Fragestellungen aus dem Judentum heraus, in ihren Antworten sucht sie den Vergleich mit anderen Religionen. Die Pluralität der Perspektiven ist ein Grundgedanke bei der Betrachtung der Themen, die in all diesen Religionen eine zentrale Rolle spielen, und nach denen die zehn Ausstellungsräume gegliedert sind: »Schöpfung«, »Gesetz«, »Opfer«, »Fleisch«, »Brot«, »Wein«, »Das Mahl«, »Genuss und Verzicht«, »Brot des Elends« und »Identitäten«.

Vielfalt spiegelt sich auch in den Persönlichkeiten wieder, die in der Ausstellung zu Wort kommen: Rabbiner, Islam-Wissenschaftler und Ayurveda-Anhänger, koschere Amateur- und Profiköche, Gegner und Befürworter des Schächtens. Da sind im Raum »Identitäten« Pop-Songs (»Gefillte Fisch«) ebenso zu hören wie der traditionelle Segensspruch Kiddusch im Raum »Wein«. Und wer immer schon einmal wissen wollte, wie man die Fastenregeln des Ramadan im Stahlwerk, wenn nicht gar im Weltraum einhalten kann, der findet im Raum »Genuss und Verzicht« eine Antwort. Dass Nahrungstabus, die Unterscheidung von »rein« und »unrein«, Opferhandlungen, Tischsitten, Zeremonien, besondere Festtagsspeisen, religiöse Vorstellungen und Rituale das Verhältnis der Menschen zur Nahrung auch dort beeinflussen, wo sie sich dessen gar nicht bewusst sind, auch das zeigt die Ausstellung – und warum das Tafelfreude und Gaumenlust nicht schmälert.

Quer durch die gesamte Ausstellung laden 25 interaktive Medieninstallationen dazu ein, das eigene Wissen zu erproben: Wie halten es Muslime mit Alkohol oder den Beschwernissen und Freuden des Ramadan? Wie verlaufen hinduistische Opferrituale in Nepal? Wie setzen sich junge Berliner Juden heute mit den Anforderungen der Kaschrut auseinander? An flüsternden Tischen und frommen Küchenherden, mit kritischen Kommentaren aus dem Off, in Filmen, Interviews und multimedialen Spielen bieten sie den Besucherinnen und Besuchern zusätzliche Informationen und Anregungen rund um das Thema Essen und Religion.

Eintritt: 4,00 Euro, erm. 2,00 Euro

Koscher u. Co.
9. Oktober 2009 bis 28. Februar 2010
Jüdisches Museum Berlin

Lindenstraße 9-14
10969 Berlin