John Gabriel Borkmann | Schaubühne am Lehniner Platz | Februar 2010

Deutsch von Marius von Mayenburg nach der Übersetzung von Sigurd Ibsen

Seit der Bankier John Gabriel Borkmann aus dem Gefängnis entlassen wurde, hat er sein Zimmer im ersten Stock nicht mehr verlassen.
Nur nachts schleicht er manchmal die Treppe hinunter, aber spätestens an der Haustür hält er inne und kehrt in seinen selbstgewählten Kerker zurück. Dort geht er ruhelos auf und ab und schmiedet Pläne für die Rückkehr in die Gesellschaft.
Im Erdgeschoss lebt seine Frau Gunhild, die ihn hasst.
Mit gewagten Transaktionen hatte Borkmann vor Jahren seine Bank in den Ruin getrieben und dabei zusammen mit dem Geld der Kunden auch sein gesamtes Vermögen verloren.
Dass er dafür ins Gefängnis musste, macht die Situation noch erniedrigender für Gunhild: Sie muss im Haus ihrer Zwillingsschwester Ella Rentheim leben. Deren Geld hat Borkmann bei seinen Spekulationen nie angetastet, sie ist seine eigentliche Liebe, die er aber aus karrieristischen Erwägungen nicht geheiratet hat: Sein Freund Hinkel, dem er die Ernennung zum Bankchef verdankte, hatte damals als Gegenleistung von ihm verlangt, auf Ella zu verzichten.
Jetzt ist Ella schwer erkrankt und wird bald sterben.
Zwischen ihr und ihrer Schwester entspinnt sich ein Kampf um Erhard, Borkmanns Sohn, den Ella in der Zeit nach dem Bankrott großgezogen hat.
Er soll mit ihr in die Stadt kommen, um ihr vor ihrem Tod beizustehen. Gunhild hat aber andere Pläne mit ihrem Sohn: Sie will, dass er den Namen Borkmann mit einer eigenen glänzenden Karriere vom kriminellen Makel des Vaters reinwäscht.
Und auch John Gabriel Borkmann hat ein Projekt mit seinem Sohn: Zusammen mit ihm will er die Wirtschaft des Landes aufmischen und wieder an die Spitze des ökonomischen Machtzirkels zurückkehren. Erhard selbst ist noch Student und gerade erst dabei, seine ersten eigenständigen Schritte im Leben zu machen. Die Ansprüche, die von allen Seiten an ihn gestellt werden, drohen ihn zu überfordern.
Als Ella eines Nachts auftaucht, um den Konflikt mit ihrer Schwester auszutragen und von Erhard eine Entscheidung fordert, verlässt Borkmann zum ersten Mal sein Zimmer, um sich in den Kampf um seinen Sohn einzumischen.

Ibsens 1896 geschriebenes Stück ist das Porträt eines Machtmenschen, der fasziniert ist von der gestalterischen Kraft des Geldes. Die Aussicht auf eigenen Gewinn ist für ihn sekundär, er denkt im großen Stil und hat den Fortschritt der ganzen Menschheit im Blick.
Dass er dabei über Leichen geht und auch die eigene Liebe opfert, nimmt er in Kauf. Im Geld verehrt er eine Naturgewalt, die über den von Menschen gemachten Gesetzen steht. Ibsen beschreibt in seinem Stück aber nicht nur den kometenhaften Aufstieg und Sturz dieses Mannes, sondern auch den Krater, den der Einschlag des Kometen hinterlässt: Ausgebrannte Biografien, menschliche Verheerungen - und eine verzweifelte Hoffnung: dass mit der nächsten Generation alles gut wird.

Mittwoch 24.02.2010 20:00 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz
Donnerstag 25.02.2010 20:00 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz
Freitag 26.02.2010 20:00 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz

tanzBAR: »IDEAL – Musik und Malerei«| Schaubuehne Studio | 03.02.2010

tanzBAR: »IDEAL – Musik und Malerei«

Mittwoch 03.02.2010 21:00 Uhr : Schaubuehne Studio

Berlin Alexanderplatz | Schaubühne am Lehniner Platz | Februar 2010

Berlin Alexanderplatz

Montag 08.02.2010 20:00 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz
Dienstag 09.02.2010 20:00 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz
Mittwoch 10.02.2010 20:00 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz
Donnerstag 11.02.2010 20:00 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz

Autistic Disco | Schaubühne am Lehniner Platz | 19.02.2010

January 29, 2010 by Berliner Kulturredaktion  
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Autistic Disco

Freitag 19.02.2010 22:30 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz

Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken? 1 | Schaubuehne Studio | 02.02.2010

Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken? 1

Dienstag 02.02.2010 20:00 Uhr : Schaubuehne Studio

Prometheus, gefesselt | Schaubühne am Lehniner Platz | Februar 2010

Prometheus, gefesselt

Freitag 26.02.2010 19:30 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz
Samstag 27.02.2010 19:30 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz
Sonntag 28.02.2010 19:30 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz

Kabale und Liebe | Schaubühne am Lehniner Platz | Februar 2010

Kabale und Liebe

Samstag 06.02.2010 20:30 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz
Sonntag 07.02.2010 19:30 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz

Unter Eis | Schaubühne am Lehniner Platz | Februar 2010

Paul, ein Berater, Mitte Vierzig, wird aufgerufen, schon zum zehnten Mal, das Gate schließt, boarding completed. Paul hört seinen Namen, immer wieder, er genießt es.
Einen Moment ist er nicht effizient. Er steht still. Er friert. Er stürzt in einem nicht enden wollenden Angstschub durch die Erinnerungen an seine Kindheit, seine Siege und seine Niederlagen, seine Frauen, an die er nur noch vage Erinnerungen hat. Seine unerfüllten Sehnsüchte kehren mit aller Macht zurück.
Er könnte ein anderer Mensch sein.
Doch die nächste Generation lauert schon auf einen Moment der Schwäche, das Ende seiner Karriere.
“dann kippte sie plötzlich nach hinten weg und schlief ein, ich starrte sie an, starrte auf den Kanal, kalt, es fing an zu schneien, plötzlich ging ein Fenster auf, ich hörte Schreie, ein Mann und eine Frau in einem heftigen Streit, plötzlich fliegt eine Katze aus dem Fenster, der Mann hat die Katze am Schwanz gepackt und schleudert sie im hohen Bogen auf den Kanal, die Katze streckt alle Viere von sich, Angst in ihrem Gesicht, versucht, sich abzufangen, aber findet keinen Halt, keinen Halt im freien Fall, es ist so kalt draußen, es schneit, es friert, alles verlangsamt sich, die Katze schaut mich an, als suche sie Hilfe, ich schaue zurück, ich kann dir nicht helfen, mir geht’s doch genauso, und sie fliegt panisch in Richtung der langsam zufrierenden Wasseroberfläche des Kanals, schlägt auf und friert wenige Zentimeter unter der Oberfläche mit dem Ausdruck größten Entsetzens, der panischsten Angst und Verzweiflung ein und bleibt liegen, zuckt noch ein paar Minuten oder Stunden, ich weiß es nicht, und stirbt, ich schaue wie gebannt auf die Katze, und sie friert fest, friert fest in ihrer Todesangst

Freitag 05.02.2010 20:00 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz

Trust | Schaubühne am Lehniner Platz | Februar 2010

Trust

Montag 01.02.2010 20:30 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz
Dienstag 02.02.2010 20:30 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz

Hamlet | Schaubühne am Lehniner Platz | Februar 2010

Hamlet

Mittwoch 03.02.2010 20:00 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz
Donnerstag 04.02.2010 20:00 Uhr : Schaubühne am Lehniner Platz

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