Faust | Staatsoper Unter den Linden | Februar 2010

February 2, 2010 by Berliner Kulturredaktion  
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FAUST von Charles Gounod, 1859 in Paris nach einem Boulevardstück von Michel Carré und Goethes FAUST noch in der Fassung mit Dialogen uraufgeführt, ist in Deutschland meist unter dem Titel MARGARETE gespielt worden – eine Respektsbezeugung gegenüber dem Werk Goethes, dessen Gehalt Gounods Oper nicht wiedergeben kann, aber auch kaum wiedergeben will.
Gounods Oper zeigt ein beinahe typisches Opernpersonal in einer beinahe operntypisch tragischen Liebesgeschichte. So gesehen hat FAUST von Gounod mehr mit Verdis TRAVIATA von 1853 gemein denn mit Goethes FAUST. DER TRAGÖDIE ERSTER TEIL von 1806, dem sie dennoch den Handlungsverlauf verdankt. Der in Deutschland übliche Titel zeigt aber auch einen Fokuswechsel an; denn letztlich steht in Gounods Oper nicht Faust, sondern die tragisch zugrunde gehende, scheinbar unschuldig verführte Marguerite im Mittelpunkt.
Statt erkennen zu wollen, was die Welt im Innersten zusammenhält, wünscht Faust sich von Méphistophélès die Gewährung sexueller Erfüllung durch junge Mädchen. So lässt ihn der Teufelspakt Marguerite verführen, schwängern, verlassen und schließlich doch wieder im Gefängnis aufsuchen, wo die unerschütterlich an ihrem Glauben festhaltende Geliebte sterben muss: Der Flucht unter Mithilfe des Teufels zieht sie den leiblichen Tod vor. Der Chor hingegen ruft ihre Seele als gerettet aus.
Gounods FAUST-Oper ist ein Zwitterwesen, da sie einerseits der Tradition der Opéra comique mit musikalischen Nummern und Dialogen verpflichtet ist, andererseits auch die Grand Opéra anzupeilen scheint.
So kommt hier äußerst dramatische, mit großem melodischen Einfallsreichtum komponierte Musik mit Passagen zusammen, in denen »Nummern« populärer Formen wie Couplet, Choral, Walzer und Marsch dominieren. Der zwingenden Wirkung des berühmten Marschs der aus dem Krieg heimkehrenden Soldaten ist dabei ebenso wenig zu entkommen wie der Operndramatik der Liebesgeschichte, die etwa im Ablauf von Spaziergang, Geständnis und Verführung im dritten Akt eine romantische Entwicklung erleben lässt.

Mit Karsten Wiegand als Regisseur und Alain Altinoglu als musikalischem Leiter ist Gounods FAUST einem jungen künstlerischen Team anvertraut, das bei der Produktion von Donizettis MARIA STUARDA bereits mit großem Erfolg an der Staatsoper Unter den Linden gearbeitet hat.

Sonntag 21.02.2010 18:00 Uhr : Staatsoper Unter den Linden
Mittwoch 24.02.2010 19:00 Uhr : Staatsoper Unter den Linden
Sonntag 28.02.2010 18:00 Uhr : Staatsoper Unter den Linden

Die Zauberflöte | Deutsche Oper Berlin | 18.02.2010

Prinz Tamino wird von einem wilden Drachen bedroht.
In letzter Minute retten ihn drei geheimnisvolle Frauen, Abgesandte der Königin der Nacht. Als der Vogelfänger Papageno auftaucht und sich mit der Heldentat brüstet, bestrafen sie ihn.
Dem Prinzen überreichen sie ein Bild von Pamina, der Tochter der Königin, die vom Herrscher des Sonnentempels, Sarastro, gefangen gehalten wird.
Tamino verliebt sich in sie. Da erscheint die Königin selbst und befiehlt ihm, zusammen mit Papageno Pamina zu retten.
Eine Zauberflöte soll ihn vor Gefahren schützen, der widerstrebende Papageno erhält ein magisches Glockenspiel. Von drei Knaben geführt, machen sich die beiden auf den Weg zu Sarastros Burg.
Während Tamino von den Burgwächtern zweimal zurückgewiesen und beim dritten Mal darüber belehrt wird, dass Sarastro nicht der grausame Despot sei, als den ihn die Königin hingestellt hat, findet Papageno Pamina und versucht mit ihr zu fliehen.
Ihren Bewacher Monostatos kann er zwar mit Hilfe des Glockenspiels in Schach halten, aber das Erscheinen Sarastros macht alle Anstrengung zunichte. Papageno, Pamina und Tamino müssen in Sarastros Tempel bleiben. Sie werden aufgefordert, sich lebensgefährlichen Prüfungen zu unterziehen.
Als erstes müssen sie schweigen lernen, ein vor allem für Papageno schwieriges Unterfangen. Als ein altes Weiblein daherkommt, hält er es nicht mehr aus und fragt sie nach ihrem Namen. Mit einem Donnerschlag verschwindet sie wieder.
Papageno tröstet sich mit Speis und Trank, die den beiden auf wundersame Weise serviert werden, nur Tamino schweigt und spielt auf seiner Flöte.
Pamina kommt und ist verzweifelt, weil Tamino nicht mehr mit ihr spricht. Ihre Mutter hat zuvor vergeblich versucht, sie zum Mord an Sarastro zu überreden. Als sie ihrem Leben ein Ende machen will, entreißen ihr die drei Knaben den Dolch und führen sie zu Tamino.
Beide durchschreiten, von der Flöte geschützt, Feuer und Wasser, und haben damit alle Prüfungen bestanden. Unterdessen wünscht Papageno in seiner Einsamkeit das alte Weib wieder herbei und verspricht ihr, »solange sich nichts Besseres findet«, sie zur Frau zu nehmen. Da verwandelt sie sich plötzlich in ein junges, hübsches Mädchen, aber die Zeit ist noch nicht gekommen, sie wird ihm wieder entrissen.
Vor Verzweiflung will er sich das Leben nehmen, doch die drei Knaben erinnern ihn an das Glockenspiel. Sein Klang ruft Papagena herbei, und beide träumen von einer glücklichen Zukunft.
Auch das andere Paar ist glücklich: Tamino und Pamina werden in die Gemeinschaft der Eingeweihten aufgenommen und verherrlichen die Ideale von Natur, Weisheit, Vernunft.
Nur die Königin der Nacht nimmt ein böses Ende: Als sie versucht, mit ihrem Gefolge in den Tempel einzudringen, wird sie von den Mächten der Finsternis verschlungen.
Mozarts ZAUBERFLÖTE, die meistgespielte Oper im deutschen Sprachraum, das vielschichtige Meisterwerk in der ungewöhnlichen Mischung aus Wiener Volkstheater und Freimaurermysterium, Märchen und Mythen, gibt uns bis heute Rätsel auf: Haben Mozart und sein Textdichter Schikaneder mitten im Werk die Fronten gewechselt zwischen der Königin der Nacht und Sarastro?
Ist nicht Misstrauen angezeigt gegenüber der allzu heilen Priesterwelt und ihrer Ideologie, die die Welt einteilt in Gut und Böse?
Gibt es nicht sogar Spuren einer Distanz zwischen Text und Musik, wie von manchen Mozart-Spezialisten vermutet wird?
Gleichwohl ist es gerade die Musik, die die Widersprüche der Handlung ins Welthafte erhebt. Sie denunziert ihre Figuren nicht, sondern verleiht ihren Konflikten eine existentielle Dimension.
Ohne sie würde die Oper wie ein irrationales Märchen klingen.

Donnerstag 18.02.2010 19:30 Uhr : Deutsche Oper Berlin

Der fliegende Holländer | Deutsche Oper Berlin | Februar 2010

Ein lebenslängliches Todesurteil kettet den Holländer seit langer Zeit ans Meer.
Gegliedert wird diese unförmige Zeit durch Fristen: Alle sieben Jahre darf er das Land betreten, um eine Frau zu finden, die ewige Treue gelobt und hält. Das ist die Vorbedingung seiner Erlösung.
Beim abermaligen Versuch, Erlösung auf dem Festland zu finden, begegnet er dem Kapitän Daland, der durch Geld schnell von der Zahlungs- und Heiratsfähigkeit des unheimlichen Mannes überzeugt wird. Er hat eine Tochter, »ein treues Kind« – das Geschäft ist abgemacht.
Zu Hause sitzen währenddessen die Mädchen und spinnen.
Senta gilt als Braut des Jägers Erik. Im Gegensatz zu allen anderen, entzieht sie sich der Arbeit und starrt das Bildnis des Holländers an.
Dessen Geschichte ist allgemein bekannt. Als jedoch Senta die Ballade vom Holländer singt, stehen die Spinnräder still. Senta, im Innersten getroffen vom Bildnis dieses Mannes, sieht sich mit seiner Rettung beauftragt. Erik muss um seine sicher geglaubte Senta bangen.
Senta reißt ein hellsichtiges Gefühl von Schicksal, den Vater Daland die Aussicht auf Reichtum hin.
Senta gelobt dem Holländer Treue.
Als dieser sie jedoch im Gespräch mit Erik erblickt, glaubt er sich verraten.
Dem Geschick des Holländers geht die Hybris perfekter Technik voraus: »In Ewigkeit lass ich nicht ab.« So soll der Holländer geschworen haben, als er bei Sturm ein schwieriges Kap umschiffte.
Dieser Schwur, geboren aus Virtuosität, ist ihm zum Fluch geworden. Niemand ermordet ihn, kein Sturm lässt das Schiff sinken. Er segelt wie durch einen Eigenkosmos, in dem selbst Meer und Sturm so dressiert sind, dass noch ihre höchste Amplitude dem Holländer und seiner Mannschaft kein Haar krümmen kann.
Wo es an Tödlichem mangelt, grassiert die Entwertung: Die Idee des erlösenden Weibes droht in die Abstraktion zu entgleiten, Unmengen Goldes birgt das Schiff, Unmengen sinnleerer Zeit verbringt der Holländer auf dem Meer.
In diesem Bild wird das Alltagsleben an Land zur Klarheit gebracht: Das Räderwerk der Spinnräder, an denen die Bräute ihren Bräutigamen Aussteuer spinnen, entspricht der geölten Maschinerie des Meeres, das den Holländer brutal verschont: »Ach gutes Rädchen saus noch mehr.« Dieser reibungslosen Welt ist nur durch Aufopferung des eigenen Lebens zu entkommen. Sentas Ballade bereits ist ein Griff in die Spinnräder. Ihre Bereitschaft zum Selbst-Opfer: Eine wirkliche Unterbrechung? »Die Fabel von dem Fliegenden Holländer ist euch gewiß bekannt.
Es ist die Geschichte von dem verwünschten Schiffe, das nie in den Hafen gelangen kann und jetzt schon seit undenklicher Zeit auf dem Meere herumfährt. Begegnet es einem anderen Fahrzeuge, so kommen einige von der unheimlichen Mannschaft in einem Boote herangefahren und bitten, ein Paket Briefe gefälligst mitzunehmen.
Diese Briefe muß man an den Mastbaum festnageln, sonst widerfährt dem Schiffe ein Unglück, besonders wenn keine Bibel an Bord oder kein Hufeisen am Fockmaste befindlich ist. Die Briefe sind immer an Menschen adressiert, die man gar nicht kennt oder die längst verstorben, so daß zuweilen der späte Enkel einen Liebesbrief in Empfang nimmt, der an seine Urgroßmutter gerichtet ist, die schon seit hundert Jahr im Grabe liegt. Jenes hölzerne Gespenst, jenes grauenhafte Schiff führt seinen Namen von seinem Kapitän, einem Holländer, der einst bei allen Teufeln geschworen, dass er irgendein Vorgebirge, dessen Namen mir entfallen, trotz des heftigsten Sturms, der eben wehte, umschiffen wolle, und sollte er auch bis zum Jüngsten Tage segeln müssen.
Der Teufel hat ihn beim Wort gefaßt, er muß bis zum Jüngsten Tage auf dem Meere herumirren, es sei denn, daß er durch die Treue eines Weibes erlöst werde.
Der Teufel, dumm wie er ist, glaubt nicht an Weibertreue und erlaubte daher dem verwünschten Kapitän, alle sieben Jahr einmal ans Land zu steigen und zu heiraten und bei dieser Gelegenheit seine Erlösung zu betreiben. Armer Holländer! Er ist oft froh genug, von der Ehe selbst wieder erlöst und seine Erlöserin loszuwerden, und er begibt sich dann wieder an Bord.« Mit diesen Worten umreißt Heinrich Heine in seinem 1833 verfassten und Richard Wagner bekannten Erzählfragment Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski grob die Motivik der Seefahrerlegende vom Fliegenden Holländer.
Der Begriff des Fortschritts ist in der Idee der Katastrophe zu fundieren. Dass es »so weiter« geht, ist die Katastrophe. Sie ist nicht das jeweils Bevorstehende, sondern das jeweils Gegebene. Strindbergs Gedanke: die Hölle ist nichts, was uns bevorstünde – sondern dieses Leben hier. Die Rettung hält sich an den kleinen Sprung in der kontinuierlichen Katastrophe. [Walter Benjamin, Zentralpark]

Donnerstag 04.02.2010 19:30 Uhr : Deutsche Oper Berlin
Donnerstag 11.02.2010 19:30 Uhr : Deutsche Oper Berlin

Orlando | Komische Oper Berlin | Premiere am 26.02.2010

Dass uns die Liebe in den Wahnsinn treiben kann, ist nicht nur eine flotte Floskel – das weiß jeder, der Liebe schon einmal gewagt hat.
Gemeint ist nicht die praktikable Liebe zum aktuellen Lebensabschnittspartner, noch die küchenpsychologisch untermauerte Auseinandersetzung im Beziehungsalltag, sondern die Liebe als Verhängnis, der man rettungslos ausgeliefert ist, für die man jegliche Grenze überschreiten muss.
Der Ritter Orlando hat sich unsterblich in die Königin Angelica verliebt und darüber seine Heldenlaufbahn vergessen. Angelica allerdings liebt Medoro, den sie all ihren hochgestellten Verehrern vorzieht und heiraten möchte. An Medoro wiederum verzweifelt die Schäferin Dorinda, nachdem er sich zugunsten von Angelica von ihr abgewandt hat.
Als Orlando nach etlichen Missverständnissen und Verwirrungen seine aussichtslose (Liebes-)Lage erkennt, will er sich – rasend vor Eifersucht – an Angelica rächen.
Sein Plan schlägt fehl und er verfällt dem Wahnsinn, indem er sich einbildet, die treulose Geliebte bis in die Unterwelt hinab zu verfolgen. Wer weiß, wo all dies enden würde, wenn nicht der Magier Zarathustra immer wieder helfend eingriffe. Denn von Beginn an verfolgt Zarathustra, für Vernunft und maßvolle Gefühle plädierend, nur ein Ziel: Orlando von seinem Liebeswahn zu heilen und wieder auf seine Kriegerkarriere zurückzuführen.
Händels Zauberoper von 1733, basierend auf Ariosts Versepos »Orlando furioso«, verbindet Bühnenspektakel und moralische Diskussion mit ungeheuer farbenreicher, packender Musik, die uns durch das ganze Gefühls-Kaleidoskop der Liebe wirbelt.
Einführungsmatinee im Foyer am 14. Februar 2010, 12:00 Uhr …
Gespräch mit dem Regieteam (Regisseur Alexander Mørk-Eidem) und Sängern der Produktion
Moderation … Bettina Auer Eintritt frei!

Sonntag 14.02.2010 12:00 Uhr : Komische Oper Berlin
Freitag 26.02.2010 19:30 Uhr : Komische Oper Berlin

Der Rosenkavalier | Deutsche Oper Berlin | Februar 2010

Die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg erwacht nach einer Nacht mit ihrem Geliebten, dem jungen Grafen Octavian von Rofrano. Doch die beiden werden durch Gepolter an der Tür in ihrer Versunkenheit gestört. In letzter Sekunde kann Octavian, als Kammerzofe Mariandl verkleidet, der Entdeckung entgehen. Baron Ochs von Lerchenau ist eingetreten und bittet die Marschallin, ihm für seine bevorstehende Hochzeit mit der bürgerlichen – und reichen – Sophie Faninal einen jungen Adligen zu empfehlen, der nach alter Sitte der Braut am Hochzeitstag eine silberne Rose überreichen solle.
Aus einer Laune heraus benennt sie Octavian, der inzwischen bei seinem Versuch, das Schlafzimmer zu verlassen, von Ochs gestellt wird. Dieser findet sofort Gefallen an der angeblichen Zofe. Nur mit Mühe kann sich »Mariandl« seiner Zudringlichkeiten erwehren.
Aber auch auf Sophie macht Octavian Eindruck. Bei der Überreichung der silbernen Rose können die beiden jungen Leute ihre Blicke nicht voneinander lassen. Als der Baron von Lerchenau eintrifft, um seine Braut in Augenschein zu nehmen, ist sie von seinen plumpen Manieren entsetzt und gesteht dem Grafen Rofrano ihre Liebe.
Natürlich hat der Baron nicht die Absicht, sich eine so gute Partie entgehen zu lassen und beharrt auf der Erfüllung des Ehevertrages. Octavian, als Mariandl verkleidet, lockt den Baron daraufhin in eine zwielichtige Kaschemme, um ihn mit tatkräftiger Unterstützung des Wirts in eine höchst kompromittierende Lage zu versetzen. Als nicht nur sein zukünftiger Schwiegervater mit Tochter, sondern auch die Feldmarschallin auf der turbulenten Szene erscheinen, sieht er sich bloßgestellt. Zähneknirschend willigt er ein, auf Sophie zu verzichten.
Auf der inzwischen leeren Bühne bleiben die Marschallin, Sophie und Octavian allein zurück. Octavian, hin- und hergerissen zwischen den beiden Frauen, ist verzweifelt. Doch die Gräfin Werdenberg hat längst erkannt, dass sie ihn verloren hat. Wehmütig, aber voller Güte, gibt sie ihn frei und geht leise fort. Octavian und Sophie fallen sich in die Arme. Der Weg in eine gemeinsame Zukunft liegt vor ihnen.

Eine musikalische Komödie aus dem Geiste Mozarts wollte Richard Strauss mit seiner Oper DER ROSENKAVALIER schaffen. Zusammen mit Hugo von Hofmannsthal gelang ihm ein Meisterwerk der Opernliteratur, das durch seine musikalisch-poetische Leichtigkeit und feinsinnige psychologische Charakterzeichnung bis heute zu den schönsten und zugleich anrührendsten Schöpfungen auf der Opernbühne zählt.
Zwischen Wiener Charme und dem Wissen um die unerbittlich verrinnende Zeit bewegt sich die Oper mit souveräner Leichtigkeit und entzieht sich dabei jeder vordergründigen Klassifizierung. Für Götz Friedrich bedeutet ihr sprichwörtlicher Anachronismus der Dreh- und Angelpunkt seiner Inszenierung, denn gerade dadurch rückt das Werk aus der Ecke der Historien-Oper heraus und stellt sich in die Tradition des Musiktheaters mit seiner ganz eigenen Ästhetik.
Nicht vergangenheitsselige Walzer-Nostalgie bestimmt das Geschehen auf der Bühne, sondern das raffiniert ausgearbeitete Miteinander von Personen, die in ihrer Unterworfenheit unter die Gesetze der Zeit, kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs und angesichts des baldigen Zusammenbruchs der k. u. k. Monarchie, überraschend zeitlos wirken.
Dass Traum und Realität zuweilen ineinander übergehen und, wie Hofmannsthal es sich wünschte, »…ein halb imaginäres, halb reales Ganzes« bilden – die Inszenierung trägt dem Rechnung in einem im Wortsinn wunderbaren Faschingsbild im dritten Akt –, gehört ebenso zur Faszination der Oper wie die Strauss’sche Musik.
Ihr Nuancenreichtum und ihre delikate Farbigkeit bringen alle Facetten des Werkes zum Leuchten, um schließlich in dem großen Schluss-Terzett am Ende der Oper zum Ausdruck inniger Menschlichkeit zu werden: »Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein …«
»Wie Salonstück und Bauerntheater, Farce und große Philosophie über Leben und Liebe ineinander verwoben werden, das macht diese Inszenierung vom Tag ihrer Premiere an zu einem Klassiker …« [classic talk/Norbert Ely ]

Sonntag 28.02.2010 17:00 Uhr : Deutsche Oper Berlin

Le nozze di Figaro | Staatsoper Unter den Linden | Februar 2010

Aus der ersten Zusammenarbeit des Librettisten Lorenzo Da Ponte mit Wolfgang Amadeus Mozart entstand eine temporeiche Opera buffa, die in ihren unverhofften Kehrtwendungen des Geschehens einem spannenden Krimi in nichts nachsteht.
Die rasante Komödie um den Sieg des Dieners über seinen adligen Herrn barg dabei einige politische Sprengkraft. Nicht ohne Grund war das Theaterstück Pierre Augustin de Beaumarchais’, das dem Libretto zugrunde liegt, im vorrevolutionären Paris der 1780er Jahre verboten.

Donnerstag 11.02.2010 19:00 Uhr : Staatsoper Unter den Linden
Samstag 13.02.2010 19:00 Uhr : 28.02.2010
Freitag 19.02.2010 19:00 Uhr : Staatsoper Unter den Linden
Freitag 26.02.2010 19:30 Uhr : Staatsoper Unter den Linden

Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg | Deutsche Oper Berlin | 12.02.2010

Tannhäuser sehnt sich aus dem Reich der Venus in sein irdisches Leben zurück. Erst mit dem Anruf der Jungfrau Maria gelingt es ihm, der Göttin zu entkommen.
Hermann von Thüringen und seine ritterliche Jagdgesellschaft heißen den lang Verschollenen willkommen. Die Aussicht auf die Begegnung mit der geliebten Elisabeth bewegt ihn zur Heimkehr.
In einem Sängerwettstreit auf der Wartburg soll das Wesen der Liebe ergründet werden. Die geladenen Sänger singen von der Reinheit des Gefühls, Tannhäuser jedoch preist die Leidenschaft der Venus.
Das offene Bekenntnis zur Lust bringt die Gesellschaft in Aufruhr; man will mit Waffen gegen Tannhäuser vorgehen, doch Elisabeth, obgleich selbst verletzt, schützt sein Leben.
Der Landgraf erlegt Tannhäuser eine Bußfahrt nach Rom auf. Die Pilger jedoch kehren ohne Tannhäuser zurück; nur er allein hat nicht die päpstliche Vergebung erlangt. Ihm droht ewige Verdammnis, der er durch die Rückkehr zu Venus zu entgehen hofft. Die Anrufung von Elisabeths Namen lässt ihn wieder zur Besinnung kommen – im Angesicht ihres Todes findet seine zerrissene Seele nunmehr auch Erlösung.
Das Theater als Traumort: Ausgehend von der Überlegung, dass Venus und Elisabeth lediglich zwei Möglichkeiten darstellen, die eine Person in sich zu vereinen vermag, ist Wagners Oper Ausgangspunkt für ein Bühnen-Spiel mit den Facetten und Möglichkeiten im zwischenmenschlichen Miteinander.
Nicht nur der mittelalterliche Moralkodex, dem das Personal des Stückes vordergründig unterworfen, ist dabei eine der bestimmenden Ebenen, sondern auch die Wandlungen des Blickwinkels, die durch die entgegenstehenden dispositionellen Ausprägungen in einer Person möglich sind. Nicht mehr der Hin- und Hergerissene steht im Zentrum der Beachtung, sondern viel stärker als allgemein üblich die Hin- und Herreißende: Venus/Elisabeth.
TANNHÄUSER aus der Sicht der einen Frau, die viel mehr ist als lediglich Hure oder Heilige. Mehr als dieses »Entweder-Oder« interessiert uns, in diesem Werk der »Kunst der Liebe« nachzuspüren.
Vom edlen Ritter Tannhäuser Da Ludwig der Milde, Landgraf von Thüringen, auf einem Kreuzzug im Morgenlande gestorben war, verließ er keine Kinder, und das Land fiel an seinen Bruder Hermann.
Zu dessen Zeiten blühte in deutschen Landen der Minnesang und ward geübt und geliebt von Fürsten und Edeln, und Fürst Hermann versammelte viele Sänger zu seinem glänzenden Hofhalt auf der Wartburg. Eine Zeit nach ihm lebte auch ein Minnesänger im Frankenlande, der führte wie die meisten seiner Sanggenossen ein Wanderleben.
Da habe ihn, als er am Hörseelenberge vorüberzog, die Erscheinung eines wunderholden Frauenbildes aufgehalten, das sei niemand anders als eben Frau Venus selbst gewesen, und ihm gewinkt, ihr in den Berg hineinzufolgen, und obschon auch ihn der treue Eckart gewarnt, habe der Ritter doch nicht zu widerstehen vermocht, und sei hineingegangen, und habe sich von Frau Venus umstricken lassen, und habe ein ganzes Jahr im Berge verweilt. Viele alte Lieder singen und sagen, wie nun die Reue über den Tannhäuser gekommen, daß er sich besonnen und in sich gegangen, und habe wieder aus dem Berge herausbegehrt. Als er solches nun äußerte, erinnerte Frau Venus ihn an seinen Eid, den er ihr geschworen, allein Tannhäuser leugnete ihr solches in ihr schönes Gesicht hinein. Darauf erbot sie sich, ihm eine andere Gespielin statt ihrer zu geben, aber er sprach, so er solches täte, müsse er ewig ob solcher Vielweiberei in der Glut der Hölle brennen.
Da lachte Frau Venus hell auf und fragte ihn, was er doch von der Hölle Glut schwatze. Ob er diese je bei ihr empfunden habe? Ob nicht ihr roter Mund zu allen Stunden ihm freundlich zugelacht?
So ging der Streit noch eine Weile fort, bis Tannhäuser in seiner Undankbarkeit für alles Liebe und Gute, was Frau Venus an ihm getan, sie eine Teufelin schimpfte. Das nahm Frau Venus endlich übel und drohte, es ihm entgelten zu lassen. Da schrie der Tannhäuser die Jungfrau Maria an, ihm von dem Weibe zu helfen, und da sprach Frau Venus mit Stolz: Nun könne er hingehn, er möge sich nur bei dem Greise beurlauben – er werde dennoch ihr Lob noch preisen.
Nun ging der Tannhäuser reuevoll aus dem Venusberge und wallete gen Rom zum Papst Urban, dem klagte und beichtete er seine Sünden und bekannte, daß er bei einer Frau mit Namen Venus ein Jahr lang gewesen. Der Papst hielt in seiner Hand den hohen Stab mit dem römischen Doppelkreuze und sprach zu dem reuigen Sänger: So wenig der dürre Stab hier grünet, kommst du, der du bei des Teufels Hulde warst, zu Gottes Hulde! Vergebens flehte der Tannhäuser, ihm eine jahrelange Buße aufzuerlegen, dann zog er wie der aus dem ewigen Rom voll Leid und Jammer und klagte bitterlich, daß des Papstes hartes Wort ihn auf ewig von Maria, der himmlischen Huldin, scheide, daß Gott ihn nicht annehme, und verwünschete sich wieder zu Frau Venus in den Hörseelenberg.
Die stand schon da und lachte hell und spottete ihm entgegen recht teufelisch: Seid gottwillkommen, Tannhäuser, mein lieber Herr, ich hab Euer recht lang entbehrt, mein auserkorener Buhle!, und lachte noch einmal und riß ihn durch die Höhlenpforte mit sich hinab.
Aber am dritten Tage danach, da hub des Papstes Stab an zu grünen, und nun sandte der Papst Boten aus in alle Lande, wo der Tannhäuser hingekommen wäre – der war aber wieder in dem Berg bei seinem schlimmen Lieb …
[Ludwig Bechstein]

Freitag 12.02.2010 18:30 Uhr : Deutsche Oper Berlin

Pique Dame | Komische Oper Berlin | Februar 2010

Uraufführung 1890 - Pique Dame

Der deutsche Ingenieur Hermann fühlt sich in Russland als Außenseiter. Er hat zwar durchaus die ihm mögliche Karriere gemacht, aber von seinen Minderwertigkeitsgefühlen kann er sich nicht befreien: immer zu wenig Geld, immer anderen unterlegen. Als er herausfindet, dass Lisa die Verlobte des Fürsten Jeletzki ist, will er den Traum vom gemeinsamen Liebesglück auch gleich aufgeben.

Wie soll sich ein Mädchen aus den höchsten Kreisen einer auf Äußerlichkeiten konzentrierten Gesellschaft denn auch für jemanden interessieren, der ganz offensichtlich nicht zu den »happy few« gehört?
Durch Zufall erfährt Hermann von einem Ausweg:
Von Lisas Vormund, deralten Gräfin, erzählt man sich, sie kenne eine todsichere Kartenkombination fürs Glücksspiel. Und was, wenn nicht Geld, könnte seine Situation grundsätzlich verändern? Der Plan wird für Hermann zur fixen Idee, die sein Leben beherrscht, seine Wahrnehmung verändert und nicht nur für ihn tödlich endet.

Von Liebe, Verzweiflung und Obsessionen handelt Tschaikowskis 1890 uraufgeführte Oper. Mit oberflächlich leichter Musik charakterisiert er die Gesellschaft und stellt sie so in starken Kontrast zur Innerlichkeit der dichten psychologischen Schilderung der Protagonisten.
Auf bedrückende Weise zeichnet Tschaikowski so nicht nur das Schicksal eines Menschen, der das Wesentliche aus dem Blick verliert, sondern auch das Bild einer Gesellschaft, die das Scheitern des einzelnen vor Augen hat und es doch nicht wahrnimmt.

Donnerstag 04.02.2010 19:30 Uhr : Komische Oper Berlin
Sonntag 07.02.2010 19:00 Uhr : Komische Oper Berlin
Sonntag 21.02.2010 16:00 Uhr : Komische Oper Berlin
Sonntag 28.02.2010 19:00 Uhr : Komische Oper Berlin

Familienführung | Deutsche Oper Berlin | 20.02.2010

Familienführung

Samstag 20.02.2010 15:30 Uhr : Deutsche Oper Berlin

La Traviata | Komische Oper Berlin | Februar 2010

La Traviata - Uraufführung 1853

Violetta will das Leben auskosten, denn ihre Zeit ist knapp. Im Rausch des Augenblicks sucht sie ihre tödliche Krankheit zu vergessen. Von allen begehrt steht sie im Mittelpunkt der vornehmen Pariser Demimonde, an wahre Gefühle aber kann sie nicht mehr glauben.
Als ihr jedoch der junge Adlige Alfred glühend seine Liebe erklärt, ist Violetta berührt von seiner Utopie einer universalen Liebe und bricht radikal mit ihrer Vergangenheit: Gemeinsam mit Alfred flüchtet sie in eine scheinbare Idylle der Zweisamkeit, fernab der Großstadt. Doch Alfreds Vater Germont fordert von Violetta die Beendigung dieser Mesalliance, so dass sie schließlich in ihre alten Verhältnisse zurückkehrt.
Nach einem öffentlichen Eklat bleibt Violetta allein. Ihr Zustand ist aussichtslos.
Im Gegensatz zur literarischen Vorlage, der Dramatisierung des erfolgreichen Romans La dame aux camélias von Alexandre Dumas d. J., erzählt Verdi seine Oper aus Violettas Sicht: So wird aus dem teilweise sarkastischen Sittengemälde bei Dumas in »La Traviata« ein musikalisches Seelengemälde.
Der Komponist erhebt eine gesellschaftliche Außenseiterfigur, eine »wirkliche Prostituierte«, wie Verdi selbst betonte, zur tragischen Gestalt auf der Opernbühne. In dem äußerst dicht gebauten Kammerspiel, uraufgeführt 1853, verliert seine Musik selbst im höchsten Schmerz nie ihre kraftvolle Schönheit, ihren Belcanto und jene transzendierende Kraft, die hoffnungsvoll auf ein besseres, menschenwürdigeres Leben gerichtet ist..

Sonntag 14.02.2010 19:00 Uhr : Komische Oper Berlin
Donnerstag 25.02.2010 19:30 Uhr : Komische Oper Berlin

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